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Smart City Gent
Laura Puttkamer20. Dezember 20235 min read

Stadtporträt: Smart City Gent

Gent ist nach Brüssel und Antwerpen die drittgrößte Stadt Belgiens. Die Hauptstadt der Region Ostflandern ist bekannt für ihre universitäre und kulturelle Vielfalt und für ihr wunderschönes, fußgängerfreundliches Zentrum mit mittelalterlicher Architektur. Aber Gent hat auch eine sehr moderne Seite und ist eine der fortschrittlichsten Smart Cities in Europa. Lesen Sie hier mehr über die Smart City Strategie der belgischen Stadt!

Die intelligente Stadt: Nachhaltige digitale Zusammenarbeit

Gent arbeitet aktiv an einer digitalen Revolution, um eine intelligentere Stadt zu werden. Dazu gehören nachhaltige Plattformen für die Zusammenarbeit, digitale Schalter für Bürgerdienste und künstliche Intelligenz. Um dies zu erreichen, bittet Gent Akteure wie Unternehmer*innen, Bürger*innen und Wissenschaftler*innen um die Bereitstellung anonymisierter Big Data. Dieser Datenfluss soll in der Zukunft in alle städtischen Systeme einfließen und zu einer datenbasierten, nachhaltigen Stadtplanung beitragen.

Die Stadt betrachtet Daten als strategisch wertvoll und nutzt sie als Schlüssel für Entscheidungen in der Smart City. Insbesondere offene Daten spielen in der Stadt eine wichtige Rolle, um neues Wissen zu generieren. „Wir wissen, dass Daten nicht neutral sind, dass sie Interpretationen beinhalten, aber sie geben uns eine Grundlage für das komplexe städtische Umfeld. Sie nähern sich etwas an, das einer gemeinsamen Sprache ähnelt, die die meisten Akteur*innen in diesem Umfeld verstehen können“, erklärt die Stadt auf ihrer Website.

Gent arbeitet bevorzugt an Projekten, die auf Daten aus verschiedenen Quellen basieren. Diese lassen sich dank Big Data sammeln, analysieren und visualisieren. So gelingt es, Echtzeitverhalten mithilfe mehrerer Datenströme zu messen. Zum Beispiel untersucht die Stadt regelmäßig, wie voll es ist und wie viele Menschen unterwegs sind. Dies war besonders nützlich, um Menschenansammlungen während der COVID-Pandemie zu minimieren. Aber die Daten helfen auch dabei, zu verstehen, wie voll das Stadtzentrum und die Stadtparks werden können.

Im lokalen Dialekt wird Gent als „weise Stadt“ bezeichnet, was eine alternative Übersetzung für Smart City ist. Hier ist der Bürger der Hauptakteur, der bestimmt, wie das städtische Leben aussieht, und zwar immer auf der Grundlage von Daten.

 

Die Stadt der Zukunft: Bürger*innen im Mittelpunkt

Gent hebt auch die Bedeutung individueller Ansätze für die Smart City. Anstatt andere Städte zu kopieren, hat die belgische Stadt ihre eigene Entwicklung genau betrachtet und gründlich darüber nachgedacht, wie eine zukünftige Stadt aussehen sollte. Sie geht dabei von den aktuellen sozialen Herausforderungen aus und stellt die Bürger*innen in den Mittelpunkt der intelligenten Stadt. Ihr wichtigstes Ziel ist es, die Menschen wieder mit ihrer Umwelt und der Stadt zu verbinden, die Bürger*innen zunehmend für ihre Umwelt verantwortlich zu machen und bessere Mittel, Technologien, Dienstleistungen und Veranstaltungen im städtischen Umfeld anzubieten.

Gent sieht die Technologie dabei nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zur Lösung sozialer Herausforderungen und als Chance, seit langem bestehende Probleme in den Städten auf innovative Weise zu lösen. In ihrem Konzept „Smart Citizens“ konzentriert sich die Stadt darauf, wie jede*r Zugang zu Technologie und Netzwerken erhalten kann. Dafür bietet die Stadt erschwingliche, zugängliche Dienste und offene Beteiligungsinstrumente und greift damit auf die kollektive Weisheit der Bürger*innen zurück. „Jeder einzelne Akteur der Stadt hat seine Meinung und sein Fachwissen. Eine Stadtverwaltung hat daher nicht immer das letzte Wort über alle Aspekte des städtischen Lebens. Alle diese lokalen Akteure sind zur Zusammenarbeit gezwungen. Als Behörde müssen wir den Bürgerinitiativen, die einen Schritt in Richtung der Stadt der Zukunft darstellen, Raum geben.“

Die Bürgerbeteiligung wird in Gent als Beschleuniger für die intelligente Stadt gesehen. So hat die Stadt 2015 eine spezielle Crowdfunding-Plattform ins Leben gerufen, um die Bürgerbeteiligung an der Mitgestaltung der intelligenten Stadt Gent zu erhöhen. Jede*r ist eingeladen, über die Plattform crowdfunding.gent Projekte mit gesellschaftlichem Nutzen für die Stadt vorzuschlagen, Ideen zu initiieren und zu teilen, um Finanzmittel zu generieren. Dies hat dazu geführt, dass die Bürgerinnen und Bürger sehr stark in die Ermittlung innovativer und nachhaltiger Initiativen in der Stadt eingebunden sind. Meistens wird die Plattform für kulturelle und soziale Initiativen genutzt. Im Laufe der Jahre wurden aber auch mehrere grüne Initiativen finanziert, zum Beispiel eine Initiative, die essbare Straßen fördert, und eine, die das Urban Farming unterstützt.

Die lebendige Laborstadt: Verbesserung von Grünflächen und Technologien

Durch die Bereitstellung von offenen Datenbanken für alle ist Gent ein Living Lab, in dem sich neue Dienste entwickeln lassen. As „Living Lab“ oder lebendige Laborstadt gibt es verschiedene Forschungsinitiativen in Gent: Das Living Lab Public Open Space der Stadt konzentriert sich beispielsweise auf die Nutzer von städtischem Grün und den hohen gesellschaftlichen Wert von Grünflächen. Das Labor befasst sich mit einem System von Orten und ihren virtuellen und sozialen Gegenstücken, wie dem Zuidpark, einem öffentlichen Park und Platz, der die neu gebaute Bibliothek der Zukunft mit Verwaltungsgebäuden, einem Einkaufszentrum und der Universität verbindet. Die Forscher*innen untersuchen die Möglichkeit, mehr Technologie in den Park zu integrieren, um seine Qualität zu verbessern und ein ruhiges, erholsames Erlebnis zu schaffen, das dann auf den nahe gelegenen Muinkpark und den Muinkaai ausgedehnt werden könnte. Am Ende würde die Stadt über eine Art Ring von Grünflächen verfügen. Letztendlich soll dieses Living Lab die Lebensqualität in den Parks verbessern, wobei die enge Zusammenarbeit mit den Parknutzer*innen, etwa durch virtuelle und erweiterte Realität, sehr wichtig ist.

Ein weiteres Living Lab in der Stadt befasst sich mit Lebensmitteln und Wasser in der Stadt und richtet eine Testanlage für Lebensmittelunternehmen ein. Diese Mini-Lebensmittelfabrik mit Wasseraufbereitungsraum wird es sowohl Lebensmittelverarbeitern als auch Anbietern von Wassertechnologien ermöglichen, alternative, innovative Technologien in einem repräsentativen Maßstab zu testen. Eine der untersuchten Herausforderungen ist die mögliche Wiederverwendung von Prozesswasser in städtischen Lebensmittelverarbeitungsbetrieben. Das Living Lab hilft Unternehmen, die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen von Technologien zu erfassen. Dafür bringt es viele lokale Interessengruppen zusammen.

 

Die grüne Stadt: Autofreies Stadtzentrum seit 1996

Mit dem Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein, hat Gent zahlreiche Umweltmaßnahmen ergriffen und sich schon früh mit Problemen wie Verkehrsüberlastung und Luftqualität beschäftigt. Derzeit arbeitet die Stadt an der Erneuerung des städtischen Heizungssystems, an einer interaktiven Solarkarte, die die Nutzung von Fotovoltaikanlagen fördert, und an einem kostenlosen Coaching für energieintensive Unternehmen.

Und schon seit 1996 ist das Stadtzentrum von Gent autofrei. Das hat viele andere europäische Städte inspiriert. Die Idee war, die Verkehrsüberlastung zu bekämpfen, die Sicherheit von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen zu erhöhen und die Luftqualität zu verbessern. Schnell wurde klar, dass die autofreie Zone dazu beitrug, das Stadtzentrum in vielerlei Hinsicht attraktiver zu machen, vom öffentlichen Nahverkehr bis hin zu den Erneuerungsmaßnahmen, die das Zentrum von Gent zu einem wichtigen Tourismus- und Einkaufsziel machten. Schon vor Jahrzehnten hat Gent mit verschiedenen Interessengruppen zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass das autofreie Stadtzentrum akzeptiert werden würde. In diesem Rahmen arbeitet die Stadt an Initiativen wie Fahrradverleih, Park-and-Ride-Routen und Unterstützung für lokale Unternehmen.



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Laura Puttkamer

Laura ist eine Stadtjournalistin, die sich auf inspirierende Geschichten von Lösungsansätzen aus der ganzen Welt konzentriert. Sie hat einen MSc in Global Urban Development und lebt derzeit in London.