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Smart City Lemgo

19.03.19 09:48 - Geschrieben von: Bitkom Smart City Atlas


Lemgo hat als mittelgroße als Stadt einerseits ähnliche Herausforderungen wie Großstädte. Andererseits, gerade im Digitalen Kontext, verfügt die Stadt über weniger Hebel, um diese anzugehen. Gerade jedoch in der Digitalisierung sieht Lemgo ein Instrument, um die Innovationsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Stadt, insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, zu stärken. Hier im City Portrait der Stadt Lemgo finden Sie sämtliche Informationen zum Engagement der Stadt im Bereich Digitalisierung und Smart City.

Smart City Lemgo

Organisationsstruktur

Die Stadt Lemgo arbeitet gemeinsam mit dem ansässigen Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (Institutsteil Industrielle Automation) an der Ausarbeitung und Umsetzung einer Digitalen Agenda. Das Vorhaben "LemGO Digital" wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert und umfasst neben der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie für Lemgo und der Durchführung von Pilotprojekten insbesondere die Erforschung übertragbarer Konzepte für andere Kommunen, in denen oftmals ausgearbeitete IT-Strategien und entsprechende Kompetenzen nicht vorzufinden sind.

Meilensteine

Die Initiierung der Arbeiten an der Digitalen Agenda von Lemgo startete im April 2018. Im Kontext der Fraunhofer Morgenstadt-Initiative wurden eine Bestandsaufnahme vorgenommen und Handlungsfelder für einen Einstieg in die Entwicklung der Digitalen Agenda identifiziert. 



Dr. Alexander Gelsin - Managing Partner at bee smart city
„Um die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit auf eine neue Stufe zu heben, hat die Stadt Lemgo ein Smart City Konzept mit einer Bündelungen von wirtschaftlichen und digitalen Interessen entworfen. Dabei wird ein möglicher Bürgernutzen stets miteinbezogen und so die Bevölkerung in den Prozess miteingebunden.“, sagt Alexander Gelsin, Geschäftsführer der bee smart city GmbH.



Motivation & Zielsetzung

Lemgo möchte beispielsweise im Bereich der Mobilität die Ressourcen des ÖPNV optimierter nutzen, indem weniger Leerfahrten stattfinden und gleichzeitig durch bedarfsgerechte Lösungen, die über eine digitale Plattform angeboten werden, die peripheren Regionen der Stadt besser angebunden werden. Auch die Pilotierung der Nutzung autonomer Fahrzeuge ist in diesem Zusammenhang relevant. Im Bereich des Handels besteht das Ziel darin, die Attraktivität der Innenstadt zu stärken und die Einzelhändler durch die Digitalisierung auch online wettbewerbsfähig zu machen, um deren Bestand zu sichern. Für die gesamte Stadtgesellschaft besteht zudem das Ziel, umweltrelevante Aspekte in der Stadt, z.B. Verschmutzung, Lärm oder Verkehrsbelastung, transparent und durch objektive Fakten analysierbar zu machen, um darauf aufbauend Maßnahmen zur Verbesserung zu ergreifen.

Stakeholder & Beteiligung

Die nutzergerechte Gestaltung der Technologien beziehungsweise Lösungen hat für Lemgo große Bedeutung. Aus diesem Grund werden die jeweiligen Zielgruppen zur Partizipation aufgerufen und beispielsweise in Innovationssprints an Workshops beteiligt, in denen sie aktiv an der Entwicklung von Lösungen teilnehmen. Um insbesondere Bürger näher an das Thema heranzuführen, ist im Rahmen von Lemgo Digital zudem in der Innenstadt ein Projektbüro eingerichtet worden, das für jeden offensteht und in dem über das Projektgeschehen informiert wird, das aber auch dazu genutzt werden kann, Feedback zu Produkten und weiteren Entwicklungen seitens der Stadtgesellschaft zu erhalten. Die Nutzerbeteiligung erstreckt sich jedoch nicht nur auf die Bürger, sondern auch auf Einzelhändler und Unternehmen, die in sogenannten Disruption-Workshops involviert werden, um innovative Smart-City-Lösungen zu erarbeiten. Die auf diesem Weg engagierten Unternehmen werden dadurch in Pilotprojekte eingebunden, die die Möglichkeiten der Digitalisierung unter wissenschaftlicher Begleitung aufzeigen. 

Chancen & Herausforderungen  

Für Lemgo ist die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Fraunhofer-Institut eine große Chance, sich mit digitalen Themen zu beschäftigen und dadurch neue Potenziale für die Stadtentwicklung zu entdecken. Ohne diese Unterstützung wäre dies für eine Stadt dieser Größe aus eigener Kraft kaum leistbar. Folglich ist die Arbeit an der Digitalen Agenda die Chance, entsprechendes Mindset in der Stadt zu betreiben und durch Mitnahme der Bevölkerung sowie weiterer Akteure die Initiative nachhaltig zu etablieren. Das Risiko, das man in Lemgo sieht, bezieht sich auf die in vielen Kommunen noch fehlende personelle und finanzielle Untermauerung, welche jedoch für den Erfolg der Digitalisierung erforderlich ist. Städte und Kommunen benötigen entsprechende Spielräume, um Lösungen der Digitalisierung greifbar zu machen und gute Ideen tatsächlich umsetzen zu können.



Mayor Reiner Austermann, City of Lemgo„Die Alte Hansestadt Lemgo wird zu Smart City – damit hat bei uns die Zukunft längst begonnen.“
, sagt Dr. Reiner Austermann, Bürgermeister der Alten Hansestadt Lemgo.






Kommunikation & Netzwerke

Die Vernetzung mit anderen Mittelstädten in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus ist für Lemgo von zentraler Bedeutung, sowohl im Zusammenhang mit Landesförderung vergleichbarer Städte und Modellregionen, über das Fraunhofer Morgenstadt-Netzwerk sowie über den Städte- und Gemeindebund des Landes. Über dieses Netzwerk finden Informationsveranstaltungen und Workshops zu verschiedenen Themen statt, sowohl als Präsenz- als auch als Web-Veranstaltungen beziehungsweise Kombinationen aus beiden Formaten. Dieser Austausch dient weiterhin der gegenseitigen Verwertung von Ergebnissen und Erkenntnissen aus der Arbeit an der Digitalen Agenda.

Wettbewerbe & Förderprogramme

Lemgo beteiligt sich aktiv an der Open-Innovation-Plattform des BMWI, indem es dort Ideen einstellt und diskutiert. Insgesamt spielt das Fraunhofer-Institut in Lemgo eine wichtige Rolle bei der Identifikation von Bedarfen der Kommune und der Bürger sowie beim Voranbringen der Entwicklungen im Reallabor, nämlich der Stadt selbst. Hierbei agiert die Forschungseinrichtung als Impulsgeber und leistet den Transfer von der Technologie zu deren tatsächlichem Einsatz. 

Projektbeispiele: 

  • IoT-Infrastruktur zur Optimierung des Stadt-Bus (Mobilität):
    Das Stadtbussystem von Lemgo setzt ein synchrones Eintreffen der Busse an einem Sternpunkt voraus, um eine hohe Umstiegsqualität zu gewährleisten. Dies ist durch Störungen im Betriebsablauf (Verkehr, Baustellen ...) jedoch nicht immer gewährleistet. Hierdurch kann es zu höheren Wartezeiten für die Fahrgäste kommen. Das Projektziel lag daher in der Realisierung der notwendigen echtzeitfähigen IoT-Infrastruktur, um die Grundlagen für eine vertiefte Analyse und eine weitere Optimierung der Umstiegsqualität am Treffpunkt zu schaffen. Gleichzeitig dienen die mit entsprechender Technik ausgestatteten Busse auch als Sensoren zur Echtzeiterfassung der jeweiligen Verkehrssituation.

  • Echtzeiterfassung der Parkräume (Mobilität):
    Die Vernetzung von Parkplätzen und die Bereitstellung von Informationen über freie Stellflächen sind nicht neu und werden derzeit in vielen Städten bereits implementiert (Smart Parking). Neu ist, dass mit den digitalisierten Parkplätzen eine Infrastruktur mit offenen Schnittstellen geschaffen wird. Nicht jede Hard- bzw. Software ist für jeden Anwendungsfall gleich gut geeignet. Auch sind die Geschäftsmodelle der Anbieter in die Bewertung mit einzubeziehen. Neben dem Feldtest der unterschiedlichen Technologien mit Handlungsempfehlungen für Kommunen ist es das Ziel, dass die gewonnenen Echtzeitdaten bei den Kommunen bleiben und diese über offene Schnittstellen und leistungsfähige Plattformen zu Mehrwertdiensten für Bürger und Besucher werden.

  • Echtzeit-Passantenzählung (Handel):
    Das Ziel dieses Projekts ist es, eine kontinuierliche Echtzeitmessung der Passantenfrequenz aufzubauen und damit den Pulsschlag der Innenstadt zu erfassen. Im Vergleich zum heutigen Stand der Technik werden so ein viel realistischeres Lagebild und differenziertere Analysen der Passantenfrequenz ermöglicht. Damit können dann Stadtentwicklungs- und Stadtmarketingprozesse besser unterstützt und die verschiedenen Einflussfaktoren wie Wetter, Jahreszeit, Veranstaltungen oder Baustellen berücksichtigt werden. 



Thomas Müller, Managing Partner at bee smart city„Als Mittelstadt hat es Lemgo geschafft die Herausforderungen der Modernisierung aus eigenen Stücken zu meistern und dazu strategisch wertvolle Partner hinzugewonnen. Selbst großstädtische Problemstellungen wurden mit Echtzeit-Lösungen angegangen und haben das Stadtbild digitalisiert und aufgewertet.“
, sagt Thomas Müller, Geschäftsführer der bee smart city GmbH.



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Die Interaktive Karte: Smart City Atlas - Landkarte Deutschland

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Image Sources: 
iStock, ID: 179029748; ID: 178594111, Credit: mb-fotos

Bitkom Smart City Atlas

Geschrieben von: Bitkom Smart City Atlas

Die hier dargestellten Inhalte stammen aus der Studie "Smart City Atlas - Die kommunale digitale Transformation in Deutschland" der Bitkom und Fraunhofer IESE.

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